Wenn man feststellt, dass man wieder auf der falschen Seite steht                                                                                                                                            2.3.2024

„Nie wieder Krieg“ … die Worte von Käthe Kollwitz auf dem Plakat für den Mitteldeutschen Jugendtag der sozialistischen Arbeiterbewegung stehen als Mahnung vor dem Aufziehen einer neuen drohenden Gefahr.
Das unendliche Leid des ersten Weltkriegs soll NIE WIEDER sein.

Es kam wieder.

Und das Plakat wird zur Ikone der Friedensbewegung nach dem zweiten Weltkrieg.
Die Worte sind den Deutschen seit ihrer Kindheit ein Begriff. Und diese sind nicht nur ein Begriff – sie sind gelebter Frieden. Ein Frieden, auf den man stolz sein kann.
Ein Frieden, der lange gehalten hat. So lange wie noch nie zuvor. Dieser Frieden, der stets angemahnt wurde.
Unsere Großeltern, unsere Eltern, unsere Lehrer und vor allem die Zeugen dieser Zeit haben diese Worte verinnerlicht und an ihre Kinder und die Gesellschaft, nicht nur in Deutschland, sondern auf der ganzen Welt weitergegeben.
Aufgewachsen sind wir in Deutschland mit einem ständigen Schuldgefühl, aber auch mit dem Willen, dass es nie wieder passiert.
Die Aufarbeitung dieser Schuld dient nicht der Entschuldigung, sondern dem ernsthaften Willen, dass es nie wieder passiert. Versprechungen und Verträge halten diese Werte fest.

Dazu haben wir uns verpflichtet.

Die Zeit nach dem letzten Krieg ist von Aufschwung und Globalisierung geprägt.
Unsere Welt ist zusammengewachsen und die Menschen auf der ganzen Welt sind unsere Freunde geworden. Wir reisen, chatten und nehmen Teil an ihrem täglichen Leben. Wenn man im Ausland auf Deutschland schaut, weiß man von den unglaublichen Taten der Deutschen oder war sogar selbst betroffen oder involviert, aber man sieht auch was danach geschah. Es findet eine Aufarbeitung statt und das dauerhaft. Man sieht den Wohlstand, man sieht die Einrichtungen in Freiheit, in Bildung, in Umweltschutz, man sieht Meinungsfreiheit, Pressefreiheit, das Recht sich frei zu bewegen und zu entfalten. Man sieht das Versicherungssystem, das Rentensystem, unser gesamtes Sozialsystem und viele weitere Errungenschaften des Friedens.
Und diese Errungenschaften können nur im Frieden entstehen und sich weiterentwickeln.
Dieser Frieden ist ansteckend gewesen und dieser Frieden ermöglichte uns und den Ländern, die ihn auch haben oder haben wollen, einen gewissen Moralismus.
Einen Moralismus, welcher durch das Träumen in einer schönen Welt, das Träumen global ermöglichte, um die Welt für andere auch sicherer und schöner zu machen.
Er ermöglichte über die eigenen Landesgrenzen hinaus für die selben oder ähnliche Werte einzustehen. Einen Frieden, der sich das leisten konnte. Sogar alten Mauern wurden eingerissen, Vorhänge fielen und Ländergrenzen verwuchsen zu Freundschaft. Der einstige Feind kann zum Freund werden. Als Kinder saßen wir gemeinsam an derselben Schulbank. Unsere Gesellschaft war nahezu so weit, freiwillig auf den täglichen Fleischkonsum zu verzichten und Tierwohl, Umweltschutz und den Stopp des Artensterbens zum Hobby zu machen.

Andere Länder glaubten daran, wir schaffen das auch.

Das bedeutet, dass wir uns mit den Herausforderungen der Welt auseinandersetzen und gemeinsam Lösungen finden müssen, die auf Dialog, Zusammenarbeit und gegenseitigem Respekt basieren. In friedlicher Zusammenarbeit, mit Abkommen zur Abrüstung, Klimaabkommen und Kulturaustausch. Ein gemeinsamer Konsens in Sicherheitsräten, Institutionen und Vereinen, zur Verurteilung von Kriegsverbrechen und ein Hebel, der die Bestrafung auch durchsetzen kann. Mittels Sanktionen, also auf friedliche Art, können Verbrechen global geahndet werden. Die Täter können gesucht und mit gemeinsam erarbeiteten, gerechten Verfahren verurteilt werden. Diese Werte wurden respektiert. Sie wurden zum Vorbild für Moral.

Nie wieder Krieg. Drei Worte, an die die Deutschen alle glauben und sie wollen es alle glauben. 
Und zu Recht wird diese Aufarbeitung und die drei Worte auch zur Ikone für jüdisches Leben in Deutschland. Gemeinsam erarbeiteten wir den Frieden und die Aufarbeitung. Gemeinsam, alle gemeinsam, wollten wir nie wieder Krieg. Mittels Aufklärung und Erinnerung wurde gemeinsam an dem Frieden gearbeitet und Frieden gelebt.

Doch unsere Welt dreht sich, vielleicht zu schnell.
Und so ist die Welt WIEDER, schon WIEDER dabei zu vergessen.

Durch den Angriff auf die Ukraine wurde unser Sicherheitsgefühl beschädigt. Schnell fällt man in alte Angst und Feindbilder zurück. Statt den Dialog zu suchen und auf diplomatischen Wegen Frieden und Versöhnung zu erarbeiten, zieht man sich zurück und zieht den Vorhang wieder zu. Die Ukraine wird voraus geschickt, um die Werte des Westens zu verteidigen. Die Ukraine, welche unsere Werte zum Vorbild nimmt, verteidigt unsere Werte. Der Krieg in der Ukraine sorgt aber gleichzeitig dafür, dass sich unser Wunsch nach Frieden in ein Gefühl aus Angst und Hass wandelt. Deutschland und Europa macht sich kriegstüchtig. Nicht tauglich – also wir können, sondern tüchtig – also wir wollen. Immer weitere Lieferungen von Waffen treiben die Zahl der Toten auf allen Seiten in die Höhe und treibt die Kriegsmaschinerie der Länder an, sie treiben Geld in die Kassen der Kriegsparteien und vergrößern die Gewinne der Kriegsinvestoren. Der durch Frieden erarbeitete Moralgeldbeutel hingegen wird immer kleiner, bis er nur noch so groß ist, wie der letzte Tropfen Wasser in der Pfütze des ausgelaugten Bodens vor den Augen des Kindes mit dem Blähbauch und der Fliege im Auge.

Die Lügen der Mächtigen sind nie weg gewesen. Sie waren nur leiser, als der Frieden.

Was jetzt passiert widerspricht allem, an was wir geglaubt haben.
Die erneute globale Aufrüstung gefährdet unsere Errungenschaften der vergangenen Jahrzehnte. Die Aufrüstung konzentriert die Mühe nicht auf Frieden. Sie verhöhnt diesen. Aufrüstung verhöhnt Wohlstand, Bildung, Gleichberechtigung und Nächstenliebe.
Die Aufrüstung ist der erste Schritt der Angst. Nach der Angst und Verzweiflung ist dann nur noch Hass und schließlich Gewalt.
Alle gut gemeinten Ratschläge und Geschichten unserer Omas, die mit uns an der Hand über Friedensdemos und Antiatomkraftdemos liefen. Omas, die mit Tränen in den Augen von dem anhaltenden Schmerz in Ihrem Leben erzählten. Und unsere Mütter, welche uns beibrachten alle Menschen, Religionen und Kulturen als bewundernswert und als gleichwertig anzusehen. Alle diese Erfahrungen werden durch das Wiederaufflammen von Krieg in Frage gestellt.

Die Holocaustüberlebenden sind noch am Leben und sehen WIEDER den Krieg.

„Nie wieder ist jetzt.“ ist die Neuauflage von Käthe Kollwitzs Plakat von 1924.
Doch dieses mal werden die Worte nicht zum Diskurs für Frieden verwendet, sondern als Rechtfertigung für Krieg und Völkermord.

Und wir Deutsche… wir Deutsche sehen uns verantwortlich für unsere Schuld. Das Leid, welches wir den Menschen – insbesondere den jüdischen Menschen – angetan haben. Alle Alarmglocken läuten nach dem Angriff auf Israel und somit das westliche Leben. Das unerträgliche Geklingel ist so laut, dass wir nicht mehr hören können, nicht sehen wollen und nichts sagen dürfen.
Unsere Welt ist zusammengewachsen und die Menschen auf der ganzen Welt sind unsere Freunde geworden. Wir reisen, chatten und nehmen Teil an Ihrem täglichen Leben.
Umso mehr trifft uns dieses Leid.
Wir sehen das Leid in der Ukraine, in Israel, in Gaza und an vielen anderen Orten.
Wir sehen alle das Leid und sogar live in Farbe und rund um die Uhr.
Im Fernseher, im Radio und auf unseren Telefonen.
Die Bilder sind so nah, es scheint man kann den Tod förmlich riechen.
Wir können es alle sehen und machen nichts.
Denn wir können es nicht glauben.
Wie kann es sein, dass Menschen anderen Menschen so etwas antun.
Wie kann es sein, dass Menschen, die nie wieder Krieg wollen, den Frieden nicht zulassen.

Millionen Menschen sehen tag täglich das Leid und wissen nicht, wie sie reagieren sollen. Medien und Freunde versuchen es zu erklären.
Aber wie kann man etwas erklären, was unerklärbar ist?
Wenn die Wahrheit so grausam ist, dass man diese nicht erträgt.
Erklärungen durch FakeNews, Propaganda und markige Slogans wie, „Die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt.“, oder die Ukraine verteidigt unsere Demokratie“, kommen gerade recht, sie entschuldigen auf bequeme Art. Die unbequeme Wahrheit, die Tatsache, dass Menschen sterben und sinnlos geopfert werden, wird einfach ausgeblendet und mit immer aberwitzigeren Erklärungen gerechtfertigt. Nur Krieg gefährdet die Demokratie !
Durch unsere erneute Aufrüstung und die Unterstützung von Ländern um jeden Preis ziehen wir erneut die Schuld auf uns. Wenn wir den Krieg Israels gegen die Bevölkerung Palästinas aus Schuldgefühl und Pflichtbewusstsein unterstützen, ohne zu sehen, dass das, was dort passiert, nicht unseren Werten entspricht, gibt Deutschland und der Westen seine Versprechen auf und macht sich für die Länder, welche uns als Vorbild sahen, unglaubwürdig. Wir machen alle unsere Sicherheitsräte, Institutionen und Vereine bedeutungslos. Der verlorene Respekt unserer Werte, lässt Gewalt auf der gesamte Erde zu. Und nicht nur für anderen Länder, sondern auch für die eigene Bevölkerung. Der entstehende Wohlstandsverlust und die gesäte Missgunst ist nahezu überall zu erkennen und sorgt für weiteren Seelenschmerz. Zum Selbstschutz und aus Erklärungsnot suchen sie sich „Alternativen“.
Wir haben erneut das Blut unschuldiger Menschen an den Händen und tragen die Verantwortung für das Leid der nachfolgenden Generationen.

NIE WIEDER KRIEG
Das bedeutet nie wieder Krieg und zwar für alle Menschen und überall und eben nie wieder.

Jeder Mensch jedoch sollte mittlerweile selber denken können und aus der unendlichen Geschichte von Hass und Lüge gelernt haben und wenn er nicht denken kann, sollte er wenigstens auf sein Herz hören.
Das Herz ist es, das stetig schlägt, auch wenn der Verstand verirrt.

Wenn wir auf der Seite von Gewalt stehen, stehen wir wieder auf der falschen Seite.
Wir sollten nicht wieder auf der falschen Seite stehen. Niemand sollte auf irgendeiner Seite stehen. Es gibt nur eine Seite. Die Seite von Mitgefühl und Güte. Die Seite von Frieden.
Lasst euch nicht instrumentalisieren und ausbeuten, von den Führern dieser
Länder. Ihre widerlichen Interessen zerstörten nicht nur einzelnes Leben – sie fressen mit ihrer Gier den ganzen Planeten. Unseren Planeten. Und am Ende werden sie am selben Tisch sitzen, in unserem Garten, und die Suppe löffeln, die sie uns eingebrockt haben. 
Die letzte Suppe.

Wenn wir jetzt nicht handeln, ist die Konsequenz WIEDER KRIEG!

Lasst uns für die Seite des Friedens stehen!
Lasst uns wieder an diplomatischen Lösungen arbeiten!
Lasst uns gemeinsam an das Gute glauben und das Gute leben!

Stoppt Unterdrückung, Leid und Rückständigkeit!
Stoppt die Waffenlieferungen!
Stoppt die Kriege!
Jetzt ist jetzt

 

 

 

                                                                                                                                                                                                                                                       Lukas Loske

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